Kniescheibenverrenkung (Patella Luxation) und Fehlstellungen der Kniescheibe

Die Kniescheibe (Patella) ist ein knöcherner Teil des Kniegelenkes und gehört mit ihren sie umgebenden Sehnen und  Bändern zum sog.  Kniestreckapparat. Die Kniescheibe funktioniert wie ein „Hypomochlion“ also eine Umlenkrolle, welche die Kraftübertragung der vorderen  Oberschenkelmuskulatur auf den Schienbeinkopf sowohl in der Streckung  (aktive Funktion) als auch in der Bremsung (passive Funktion) gewährleistet. Diese Funktionen sind von elementarer Bedeutung für das Gangbild, die Kniegelenksbeugung und -streckung, sowie für viele sportliche Aktivitäten.

Um diese Funktion quantitativ zu gewährleisten ist die Rückseite der Kniescheibe mit der dicksten Knorpelschicht versehen, die im menschlichen Körper vorkommt. Nur so können die vielen tausendfachen Bewegungszyklen während eines menschlichen Lebens erfüllt werden. Bei Knorpelschäden hinter der Kniescheibe sprechen wir von einer Chondropathia patellae bzw. im späteren Stadium von einer Kniescheibenarthrose. Die qualitative Funktion der V-förmig gestalteten Kniescheibe wird durch ihre Führung im umgekehrt V-förmig korrespondierenden Gleitlager der Oberschenkelrolle (Trochlea femuris) gewährleistet. Diese „kufenförmige“ Führung der Kniescheibe wird dabei zu Beginn der Beugung von Weichteilen (Kapsel, Muskeln, Sehnen und Bänder) geführt, um dann bei weiterer Beugung überwiegend knöchern gelenkt zu werden.

Wenn es in diesem komplizierten Bewegungssystem, das wir auch den „Kniestreckapparat“ nennen, an den verschiedensten Stellen zu Störungen kommt, kann es entweder zu einer strukturellen Veränderung der Kniescheibe oder zu einer funktionellen Störung der Kniescheibe  kommen. Beide Störungen münden letztendlich in einem vermehrten Knorpelabrieb  (Arthrose) der Kniescheibe.

Eine spezielle Form dieser funktionellen Störung ist hierbei die Patella Luxation (Kniescheibenverrenkung). Eine Erkrankung, die überwiegend Mädchen bzw. junge Frauen, aber auch junge Männer mit kniebelastenden Sportarten betrifft und mit einem äußerst schmerzhaftem Herausrutschen der Kniescheibe aus ihrem Gleitlager, in der Regel auf die Außenseite des Kniegelenkes, einhergeht. Wenn sich dieses mehr als zweimal  ereignet sprechen wir von einer gewohnheitsmäßigen, d.h. habituellen Patella Luxation.

Dieses chronische, überwiegend bei Jugendlichen auftretende Krankheitsbild muss dann operativ versorgt werden, um nicht langfristig in eine Arthrose zu münden. Das gilt aber bei einer erfolglosen konservativen Therapie (Physiotherapie, Muskeltraining, etc.) auch für die Vorstufen einer Patellaluxation, der sog. Patelladezentrierung und der Patellalateralisation.


Dezentrierung und Lateralisation der Kniescheibe vor (links) und
nach (rechts) der operativen Korrektur

Das Ziel einer solchen operativen Versorgung ist die Wiederherstellung des normalen Gleitverhaltens der Kniescheibe. Da der Kniestreckapparat sowohl durch nicht knöcherne Strukturen (Muskeln, Sehnen, Bänder und Kapsel) als auch durch knöcherne Strukturen (Knochenform, -drehung und -achse) beeinflusst wird, muss der operativen Therapie eine eingehende und subtile Diagnostik vorangehen, um die eigentliche biomechanische Ursache der Kniescheibenfehlfunktion zu erkennen.

Wenn das erfolgt ist können dann in der Regel sehr erfolgreiche rekonstruktive Eingriffe am Kniestreckapparat erfolgen. Die Eingriffe unterteilen sich dann in reine Weichteileingriffe mit Wiederherstellung der fehlenden oder falsch wirkenden Sehnen-, Kapsel und Bandstrukturen, in reine knöcherne Eingriffe mit Rekonstruktion von knöchernen Fehlformen, -drehungen und –achsen oder in einer Kombination von beiden. Diese hier im Einzelnen aufzuführen führt sicherlich zu weit und bedarf einer ausführlichen Planung, Besprechung und Durchführung  mit dem behandelnden und operierenden Orthopäden.

Kniescheibe nach einer Kniescheibenfesselung mittels knöchernen Versatz-Operation

Kniescheibenfesselung mittels knöchernen Versatz-Operation einer körpereigenen Sehne
(mit frdl. Genehmigung Fa. Arthrex, Karlsfeld)