Arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel
Ein Gelenkknorpel besteht aus einem sogenannten hyalinen Knorpelgewebe, welches im Bereich des Kniegelenks eine Dicke von bis zu 5 mm erreicht. Seinem komplizierten und einzigartigen Aufbau verdankt er die Fähigkeiten der mechanischen Dämpfung sowie des fast reibungslosen Gleitens der korrespondierenden Gelenkflächen.
Man weiß noch wenig über die Entstehung von verschleißbedingten Knorpeldefekten im Gegensatz zu unfallbedingten Schädigungen. Im Allgemeinen gilt: Ist einmal ein Knorpelschaden eingetreten, so schreitet der Verschleiß ohne weitere Maßnahmen voran. Im Endstadium der Arthrose (des Gelenkverschleißes) kann häufig ausschließlich mit Endoprothesen (künstlichen Gelenken) eine Schmerzbefreiung erreicht werden.
Arthroskopisch lassen sich Gelenkknorpeldefekte sehr gut nach Größe, Lokalisation und Zustand der subchondralen (unter dem Knorpel gelegenen) Knochenplatte beurteilen. Die Wahl der arthroskopischen Therapieverfahren richtet sich nach der Ausdehnung, Tiefe und dem Alter des Defekts und des Patienten. Häufig können ausgedehnte Knorpeldefekte in Verbindung mit einer abweichenden Beinachse (z.B. X - oder O – Bein) nur in Zusammenhang mit einem offenen Operationsverfahren (z.B. einer Umstellungsoperation des Beines, d.h. Änderung der Beinachse) therapiert werden.
Wir führen folgende Behandlungsverfahren durch:
- Arthroskopische Gelenklavage
Bei der Lavage (Spülung) werden ausgefaserte Fransen mit einer Minifräse abgeschnitten und geglättet. Instabile Knorpelteile und freie Gelenkkörper werden entfernt, damit sie nicht weiter einreißen bzw. zu Einklemmungen führen. Gleichzeitig werden Meniskusschäden versorgt. Manchmal ist auch eine Teilentfernung der Gelenkschleimhaut notwendig.
- Arthroskopische Mikrofrakturierung
Bei der Mikrofrakturierung wird unter arthroskopischer Sicht mit einem feinen Dorn die Knochenoberfläche durchstoßen. In der Folge treten aus dem Knochen Blutzellen aus, welcher sich im Rahmen des einsetzenden natürlichen Heilungsprozesses zu so genanntem Faserknorpelgewebe entwickeln. Dieser Ersatzknorpel übernimmt anschließend die Funktion des ursprünglichen Knorpels.
- Arthroskopische und offene Knorpeltransplantation
Verschiedene Techniken der Knorpeltransplantation stehen heutzutage zur Verfügung. Bei der Knorpel - Knochen Transplantation (OCT, osteochondrale Transplantation) werden Knorpel–Knochen-Stanzzylinder von wenig belasteten Stellen des Gelenkes entnommen und in passend vorbereitete Aufnahmelöcher in der Defektzone eingebracht. Hierdurch befindet sich sofort funktionsfähiger hyaliner Knorpel in der Defektzone. Der darunterliegende Knochenblock ermöglicht ein rasches Einheilen. Bei der Knorpelzellzüchtung und der Transplantation werden einige Knorpelstückchen in einem ersten Operationsschritt aus dem Kniegelenk entnommen, in einem aufwendigen Verfahren in einer Zellkultur vermehrt und mittels einem zweiten Operationsschritt in die Schadstelle eingepflanzt. Hier müssen die neuen Zellen anwachsen und sich nochmals weiter vermehren und eine neue Knorpelgrundstruktur aufbauen. Es handelt sich hierbei um ein sehr aufwendiges Verfahren, welches eine korrekte Einhaltung der Nachbehandlungsvorschriften erfordert.
Die Kosten dieses Verfahrens sind sehr hoch. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die anfallenden Kosten zum Teil nach Anfrage.
Beinachsenkorrekturen
Normalerweise besitzt der Mensch eine leicht valgische Beinachse, d. h. ein leichtes X-Bein von ca. 5 Grad. Diese Beinachse wird bestimmt und gemessen anhand der „Beintraglinie“. Sie verläuft vom Mittelpunkt des Hüftkopfes zum Mittelpunkt des Sprunggelenkes und schneidet das Kniegelenk nahezu in der Mitte. Kommt es zu einer Abweichung dieser Beintraglinie spricht man bei einer Verlagerung der Traglinie auf die Außenseite des Kniegelenkes von einem X-Bein (Genu valgum) und bei einer Verlagerung auf die Innenseite von einem O-Bein (Genu varum). Das führt zu einer ungleichmäßigen Belastung des Knorpels, welche über Jahre zu einem einseitig vermehrtem Knorpelabrieb auf der Seite des vermehrten Druckes nach sich zieht. Also bei einem O-Bein auf der Innenseite.
Bei einer falschen Beinachse ist jede Knorpeloperation zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht gleichzeitig die Beinachse korrigiert, also die Beintraglinie wieder in die Mitte des Kniegelenkes zentriert. Das erfolgt durch eine operative Beinachsenkorrektur im kniegelenknahen Oberschenkelknochen oder, das ist die weitaus häufigste Korrektur, im Kniegelenknahen Schienbeinkopf. Hierbei gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten der Korrektur: entweder die schließende Knochenumstellung (closed wedge Osteotomie), bei der ein Knochkeil entnommen wird oder die öffnende Knochenumstellung (open wedge Osteotomie), bei der der Kochen im Korrektursinne keilförmig geöffnet wird und der Defekt z.B. mit einem Keil aus Kunstknochen aufgefüllt wird. Da es bei der öffnenden Knochenumstellung zu keiner Beinverkürzung kommt ist dieses Operationsverfahren das zurzeit am häufigsten verwendete Verfahren. Bei beiden Operationen wird der durchtrennte Knochen mittels eines Schrauben-Platten-Systems wieder stabilisiert, was eine sechswöchige Entlastung des Beines erfordert.

