Kreuzbandplastik

Wie kann ein Kreuzbandriss behandelt werden?

Die Aufgabe der Kreuzbänder im Kniegelenk.

Das Kniegelenk ist, im Gegensatz zum überwiegend knöchern geführten Hüftgelenk, ein Kapsel-Band-geführtes Gelenk. Hierbei sind die beiden zentral im Kniegelenk liegenden Kreuzbänder, neben den Seitenbändern und weiteren Kapselzügeln, die wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks. Sie heißen Kreuzbänder, weil sich ihr Verlauf im Gelenk überkreuzt und sie biomechanisch gesehen eine „überschlagene Gelenkkette“ bilden. Dadurch gewährleisten die Kreuzbänder den „Roll-Gleit-Mechanismus“ im Kniegelenk, der die Beugung und Streckung des Kniegelenks in der immer gleichen Bewegungsebene gewährleistet.

Daten und Fakten.

In den letzten Jahren ist eine deutliche Zunahme von Kapsel-Bandläsionen des Kniegelenks festzustellen (laut einer Schweizer Unfallstatistik ca. 80 pro 100.000 Einwohner). In etwa 65 % der Fälle sind Sportunfälle für die Kniebandverletzungen verantwortlich, besonders Kontakt- bzw. Beschleunigungssportarten wie Fußball, Handball oder Skifahren.

Unter den Bandverletzungen ist die vordere Kreuzbandverletzung mit ca. 45 % die häufigste, danach folgt die isolierte Verletzung des Innenbands und danach der vordere Kreuzbandriss kombiniert mit einem Riss des Innenbands und / oder des Innenmeniskus. Das hintere Kreuzband wird dem gegenüber nur sehr selten verletzt. Die meisten vorderen Kreuzbandverletzungen sehen wir als Folge eines Abbremsverdrehtraumas des Kniegelenkes ohne Fremdeinwirkung.

Wie der Patient den Kreuzbandriss bemerkt.

Die Patienten beschreiben in der Regel ein Gefühl der Instabilität und viele hören oder fühlen ein Krachen bei der Verletzung. Nach der Verletzung kann der Patient typischerweise nicht weiterspielen und das Kniegelenk schwillt oft innerhalb kurzer Zeit an. Im Gegensatz dazu braucht die Schwellung durch eine Meniskusverletzung oder Arthroseüberlastung 1-2 Tage bis zur Entstehung.

Problematik bei gerissenem Kreuzband.

Das vordere Kreuzband (VKB) stabilisiert den Unterschenkel gegen Verschiebung nach vorne, das hintere Kreuzband stabilisiert ihn nach hinten. Das Fehlen (Riss des Kreuzbandes) verursacht eine Instabilität (Wackelknie). Diese Instabilität führt schon beim normalen Gehen zu unnormalen Verschiebebewegungen zwischen den Gelenkflächen des Ober- und Unterschenkels, welche auf Dauer zu einem Meniskusschaden, einer weiten Bandlockerung und zu einem vermehrtem Knorpelabrieb führt, der dann schließlich in einem Verschleiß (Arthrose) mündet.

Noch ungünstiger wirken sich diese Verschiebebewegungen unter weiterer sportlicher Belastung aus.

Die Folge ist eine noch frühere Schädigung der oben genannten Gelenkstrukturen auch bei jüngeren Menschen. Um diese Spätschäden zu vermeiden, sollte deshalb das vordere Kreuzband ersetzt werden. Hierbei hat sich wegen der schlechten Durchblutung des vorderen Kreuzbandes die Naht des Bandes und wegen der starken mechanischen Belastungszyklen der Ersatz eines Kreuzbandes mit einem Kunstband nicht als erfolgreiche Methode bewährt.

Als derzeitige Behandlung der Wahl gilt daher der Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit körpereigenem Material, welches man dann als „autologe vordere Kreuzbandplastik“ bezeichnet.

Behandlung:
Wahl und Fixierung des Transplantats.

Es gibt mehrere Möglichkeiten das vordere Kreuzband zu ersetzen, wobei die für den Bandersatz verwendeten körpereigenen Transplantate primär eine sehr hohe Reißkraft haben und aufgrund der sicheren Fixationsmöglichkeiten im Kniegelenk eine sofortige Mobilisation des Gelenkes und Teilbelastung des Beines ermöglichen.

Eine Kreuzbandplastik wird heute standardmäßig im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt und hat den großen Vorteil der minimalen Invasivität durch die nur kleinen Hautschnitte, der geringen Verletzungen von Schmerzrezeptoren und Kapselstrukturen und der geringen Komplikationsrisiken (z.B. Infektionen).

All das ermöglicht eine sehr schnelle Mobilisierung und Rehabilitation des Patienten.

Die am häufigsten verwendeten Transplantate sind Sehnen aus der Oberschenkelinnenseite (Semitendinosus- und/oder Gracilissehne) oder das mittlere Drittel der Kniescheibensehnenbandes (Patellasehne). Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, sind aber in den Langzeitergebnissen nahezu gleichwertig. Der mehrheitliche Trend, so auch bei uns, geht zu einer Verwendung der Semitendinosus und Gracilissehne.

Semitendinosus-Gracilissehnenplastik

Die Semitendinosus- und Gracilissehne gehören zu einer aus vier Muskeln und Sehnen bestehenden anatomischen Struktur an der Innenseite des Oberschenkels. Von diesem Paket werden eine (Semitendinosussehne) oder auch zwei (Gracilissehne) Sehnen über einen kleinen Hautschnitt entnommen und als dreifach oder vierfach gelagertes Bündel arthroskopisch über einen Bohrkanal am Schienbeinkopf in das Kniegelenk eingezogen und dann „isometrisch“, das heißt an ihren anatomischen Punkten im Oberschenkel und Schiebeinkopf, fixiert. Die Fixierung geschieht mittels biologisch abbaubarer Klemmschrauben, Querdübeln oder durch ein kleines Metallplättchen am Oberschenkel. Das Material braucht daher später nicht entfernt werden.

Die Vorteile dieser Methode ist der geringe Entnahmeschmerz nach der Operation und die nicht beeinträchtigte Streck- und Kniefähigkeit des Gelenkes.

Ligamentum patellae
(Sehne der Kniescheibe)

Das Kniescheibenband ist ca. 25 mm breit. Es kann davon ein ca. 10 mm breiter mittlerer Sehnenstreifen mit je einem Knochenblock aus den Sehnenansatz an der Kniescheibe und am Schienbeinkopf entnommen werden und dann ebenfalls arthroskopisch über Bohrkanäle mit Klemmschrauben im Gelenk fixiert werden. Die Vorteile hier sind die sehr gute Primärstabilität durch die Fixierung von Knochen an Knochen. Als Nachteile gelten Schmerzen, welche an der Entnahmestelle auftreten können, eine mögliche Verminderung der Muskelkraft bei der Streckung des Kniegelenkes, sowie das prinzipielle Risiko (sehr selten!!) eines Risses der restlichen Kniescheibensehne oder eines Kniescheibenbruches.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Durch die oben beschriebenen Operationstechniken ist eine zügige (Teil-) Belastung und Bewegungsfreiheit des Kniegelenkes erlaubt. Oft wird für die ersten 4 – 6 Wochen nach der Operation eine Knieführungsschiene (Orthese) verordnet. Die physiotherapeutische Nachbehandlung verbessert anfangs die Bewegung des Kniegelenkes, dann folgt nach einer Steigerung der Muskelkraft die Förderung der Koordination und zum Schluss das Schnellkrafttraining. Alles in Allem dauert die Rehabilitation nach einer vorderen Kreuzbandplastik mehrere Monate, wobei Kontakt- und Beschleunigungssportarten für mindestens 6 Monate verboten sind. Bei exakter Operationstechnik, konsequenter Physiotherapie und Motivation des Patienten, erreichen diese in der Regel ihr altes sportliches Aktivitätsniveau wieder zurück.

Sie haben Fragen oder Anregungen zum Thema? Dann nehmen Sie noch heute Kontakt zu uns auf oder vereinbaren Sie ganz einfach und unkompliziert einen persönlichen Beratungstermin!

Die Knie-Spezialisten.

Dr. Neuhaus ist ein ausgewiesener Spezialist der Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen des Kindes und Erwachsenenalters. Seine operativen Schwerpunkte liegen in der Fuss - und Sprunggelenkschirurgie, Schulter und Kniechirurgie einschließlich der Knorpelchirurgie. Dr. Bernard Neuhaus mehr Termin vereinbaren Dr. Ahrens ist spezialisiert auf die operative Versorgung aller großen Gelenke des Menschen. Seine operativen Schwerpunkte sind die gelenker- haltenden Operationen, inklusive der Knorpelchirurgie, die Endoprothetik und Revisionsendoprothetik. Dr. Jan Ahrens mehr Termin vereinbaren Dr. Steens ist ein gefragter Spezialist für Erkrankungen an Hüfte, Knie und Sprunggelenk. Er ist zertifizierter Knorpelspezialist. Dr. Wolfram Steens mehr Termin vereinbaren Im ONZ ein gefragter Spezialist bei Erkrankungen des Schultergelenkes, der Hüfte und des Knies. Dr. Maximilian Timpte mehr Termin vereinbaren